Netztechnische Schulung: Ausbildung unter realen Bedingungen

„Mir war wichtig, dass unsere Auszubildenden die Chance bekommen, schon im ersten Lehrjahr unter Bedingungen zu lernen, die der Realität möglichst nahekommen“, berichtet Stefan Bienfait, Ausbilder Elektrotechnik beim ILW Mainz. Er hat die Ausbildungseinheit „Netztechnische Schulung“ für neun angehende Elektroniker für Automatisierungstechnik konzipiert und durchgeführt.

 

Der Ausbildungsaufbau umfasste u.a. einen Kabelverteilerschrank und einen Hausanschlusskasten, beide gehören zum sogenannten TN-C-Netz, über das Energieversorgungsunternehmen private Haushalte mit Strom versorgen. Sie sind Teil des Niederspannungsnetzes für den Hausstrom, dessen Nennspannung bei 230 bzw. 400 Volt liegt.

 

Die Herausforderung für die Ausbildung: Messen und Schalten im Niederspannungsnetz zählt zu den gefährlichsten Arbeiten an elektrischen Anlagen. Bei unsachgemäßer Handhabung besteht die Gefahr eines Lichtbogens, der mehrere 1.000 Grad heiß werden und sich explosionsartig ausdehnen kann. Verbrennungen, Erblindung oder sogar tödliche Verletzungen könnten die Folge sein. Darum sind solche Arbeiten für Auszubildende untersagt.

Die Lösung: „Ich habe einen wirklichkeitsnahen Aufbau der elektrischen Anlagen gewählt, wie man ihn bei Haushalten üblicherweise vorfindet. Aber sie standen zu keiner Zeit unter Strom“, erzählt Stefan Bienfait. Was die Auszubildenden allerdings zunächst nicht wussten. Dementsprechend mussten sie die notwendigen und vorgeschriebenen Vorkehrungen für solche Arbeiten treffen.

 

Dazu gehörte es, dass jeweils ein Sicherheitsbeauftragter bestimmt wurde, der für die Einhaltung der notwendigen Maßnahmen zuständig war. Hierzu zählte insbesondere das Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung: flammenhemmende Kleidung, Gesichtsschutzschirm Verwendung des Niederspannungs-Hochsicherheits-Aufsteckgriffes mit festem Lederstulpen oder die Verwendung von Gummitüchern.

 

Stefan Bienfait hat jeden Auszubildenden selbst bei den verschiedenen Arbeiten angeleitet „Das hat seine Zeit gekostet, für die neun Azubis insgesamt eineinhalb Arbeitstage. Alle haben dabei die Erfahrung gemacht, im Handlungsvollzug wirksam gelernt zu haben. Und am Ende gab es ganz viele Fragen zu klären“, sagt Stefan Bienfait.

 

Der realitätsnahe Aufbau der elektrischen Anlagen und der Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung hatten einen sehr positiven Lerneffekt. Auch wenn die Auszubildenden hinterher erfuhren: Alle ihre Schalthandlungen hatten sie im spannungsfreien Zustand der Anlagen ausgeführt, erkannten sie doch den Mehrwert einer wirklichkeitsnahen Ausbildung.

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