„Alles hat damit begonnen, dass die Ausbilder durch die Bank Unterstützungsbedarf der Azubis in Mathematik signalisiert haben“, erklärt Marco Göbel, externer Trainer und Lehrkraft für Mathematik. Die Gründe sind vielfältig: Bei den einen war Mathe nicht gerade das Lieblingsfach, andere waren bei ihrem Ausbildungsstart schon älter, so dass der Schulunterricht bereits länger zurücklag.
In der betrieblichen Ausbildung liegen Theorie und Praxis der Mathematik eng beieinander: Wer zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Bruchrechnen hat, wird auch die Übersetzungsverhältnisse von Zahnrädern schwer begreifen. Ohne den Dreisatz rechnen zu können, sind Aufgaben wie: „Wenn 3 Pumpen ein Becken in 6 Stunden leeren, wie lange brauchen 5 Pumpen?“ nicht zu lösen. Und um ein Hydrauliksystem mit der passenden Menge Öl zu befüllen, sollte man das Volumen eines Zylinders exakt berechnen können.
Solche und andere mathematische Basisfertigkeiten sind Voraussetzung dafür, der betrieblichen Ausbildung überhaupt folgen zu können. Der reguläre Lehrplan lässt zeitlich nicht zu, vorhandene Lücken im Grundwissen zu schließen. Darum hat ein Projektteam des ILW Mainz Strategien entwickelt, um hier Abhilfe zu schaffen. Das Unterrichtskonzept für einen Mathematik-Basiskurs haben Geschäftsführer Manuel von Vultejus sowie Projektmanager Oliver Aßelmeyer und Marco Göbel gemeinsam entwickelt. Vorausgegangen war eine ausgiebige Bedarfserhebung.
Im Rahmen eines Mathematik-Pilotunterrichts hat Lehrkraft Marco Göbel das Konzept jetzt mit einer Auszubildendengruppe des Fachbereichs Metalltechnik umgesetzt. Am Anfang stand ein Eingangstest, um den Wissensstand festzustellen. Dann folgten sechs Doppelstunden Unterricht. „Mir war wichtig, jede und jeden herauszufordern, und meinen Unterricht nicht nur mit den Leistungsstarken zu machen. Darum erhielten reihum alle immer wieder Gelegenheit, ihre Lösungen zu präsentieren“, erläutert Marco Göbel. Das Konzept ist aufgegangen: „Es ist eine sympathische Gruppe, die offensichtlich Spaß an Mathematik gewonnen hat“, berichtet er.
Als Abschluss gibt es noch einen Ausgangstest, um die Lernerfolge zu erheben. Die Ergebnisse werden anschließend systematisch ausgewertet. Wenn die Pilot-Trainings erfolgreich verlaufen sind, könnte im kommenden Jahr der Baustein "Mathematik" als Teil von AzubiPlus zur Förderung der Ausbildungsreife im gesamten Ausbildungsjahrgang unterrichtet werden.